Landleben-Lyrik



Die Landgedichte
Reinhards interaktiver, multimedialer Landleben-Gedichte-Zyklus




© Reinhard Häpp

Ein Feld, Wald und Wiesen - Gedichtezyklus, der mit einem Heidelied endet und mit der Wiese anfängt. In Fachkreisen als LOL-Gedichtezyklus bekannt.


Reinhard Leopold Häpp

 

Das 1. Gedicht

Setzt Euch bitte mal im Halbkreis um mich herum. Danke. So, ein letztes Räuspern, ein letztes Stuhlrücken. Los geht's.
"Die Wiese" ist in der ganz, ganz seltenen Reimform AABBE CCE DDE - eine meiner Lieblingsreimformen, wenn's nicht anders geht. Aber Achtung: Während der Sprechrythmus im 1.und 2.Teil unbefangen heiter ist, ändert er sich im 3.Teil, wird schneller, drängender.

(Mhmm, mhmmm!! Räusper-räusper)

Die Wiese, ein Gedicht von Reinhard Leopold Häpp.

Mein Gedicht "Die Wiese"
dreht sich genau um diese.
Unten Gras, darüber Luft
und dazwischen Blütenduft.
Halme wachsen ohne Zahl

Eckards Bienen sammeln fleissig,
Distelsamen frisst der Zeisig.
Friedlich halten alle Mahl.

Aus der Ferne immer näher,
kommt der Bauer mit dem Mäher,
plötzlich ist die Wiese kahl.

(Knappe Verbeugung, Riesenapplaus)

Wir erleben, wie schon im Sprechrythmus angelegt, den Übergang vom Beschaulichen in's Bedrohliche und enden im Unausweichlichen. Eine Kurzrezension dieser Art füge ich meine Gedichten immer gratis bei. Weil sie sonst keiner versteht.
Das Feld-Gedicht kommt anschliessend, wenn der Applaus etwas abgeklungen ist. Ich will nur soviel verraten: Im Mittelpunkt steht ein flaches, bearbeitetes Stück Erdoberfläche. Und im daraufolgenden Wald-Gedicht werden wahrscheinlich überdurchschnittlich viele Bäume vorkommen. Mehr soll aber noch nicht verraten werden.

Das 2. Gedicht.

Liebe Lyrik-Land-Leute (wunderschöner Stabreim)
Setzt Euch bitte wieder im Halbkreis um mich herum. Danke. Alle Weingläser gefüllt? Ein letztes Räuspern, ein letztes Stuhlrücken.

(Mhmm, mhmm)

Das Feld, ein Gedicht von Reinhard Leopold Häpp

Wo einsam der Ruf des Regenwurms
verhallt an den Stängeln des Maiskolbenturms.
Wo Kartoffelkäferkartelle skandaliern.
Wo der Runkelrübe wehendes Blatt,
etwas düster-melancholisches hat.
und Rüsselraupenrüpel randaliern.

Wo eisern schweigt die Ackerkrume
im Flammencrescendo der Sonnenblume
wo das Guldenkräutlein zählt sein Geld.
Wo blau der Flachs blüht und wo dümpelt der Dinkel
wo der Feldrain sich müht um die vier rechten Winkel
- das ist das Feld.

AAC BBC Der erste Teil hat etwas Experimentatives. Aber wer sich, wie ich, die Wiedereinführung des Stabreims in die deutsche Dichtkunst zur Aufgabe gemacht hat, darf auch davor nicht zurückschrecken. Während den Zeile AA und BB eine fast liedhafte Sprachmelodie zu eigen ist, bricht die Stabreimzeile C das Gedicht ins Stakkatohafte. Ein Kunstgriff, den ausser mir, nur die wenigsten Künstler beherrschen, vielleicht noch H. Löns und F. Rückert (allerdings beide schon dahingeschieden.).
Im 2. Vers eine besondere Rarität DDG EFGEFG. Das ist allerdings schon höchste Dichtkunst, da kommt H. Löns - dessen Stärken sowieso mehr im Erzählerischen liegen - nicht mehr mit. Diese Reimform ist die einsame Domäne von F. Rückert und RLH, beides Franken. Die rechten Winkel sind eine Hommage an F.Rückert , der hoffentlich ein begeisterer Geometer war, und an meine Brr .: im rechten Winkel.

Das 3. Gedicht.

Setzt Euch bitte wieder im Halbkreis um mich herum. Danke. Alle
Schnapsgläser gefüllt? Kein letztes Räuspern, kein letztes Stuhlrücken?
Was? Die Schnapsgläser sind schon wieder leer? Also gut, lasst die Flasche
mit dem Genever noch mal rumgehen. Haben alle? Gut, und die Flasche wieder
zurückgeben! Danke.

(Mhmm, mhmm)

Der Wald, ein Gedicht von Reinhard Leopold Häpp

Wo der Tannenbaum wipfelt
und die Buche sich gipfelt
Wo der Auerhahn balzt
und der Hirschkäfer schnalzt
Wo der Eichenbaum wurzelt
und der Fichtenzapf purzelt
Wo das Eichhörnchen springt
und die Nachtigall singt
Wo der Blätterwald rauscht
und das Rehlein auflauscht
Wo der Wolpertinger kraxlt
und der Wilderer schnaxlt.
Wo die Schneeweh sich auftürmt im Winter.
Da ist der Waldesrand,
der Wald liegt dahinter.


Dieses Gedicht ist ganz in der Tradition Peter Rosseggers ("Als ich noch der Waldbauernbub war") und Adalbert Stifters ( "Als ich Peter Rosseggers 'Als ich noch der Waldbauernbub war' las") geschrieben.
Beide hegen diesen Reimstil, der beschreibend zur Harmonie neigt und fast in's Monotone abgleitet. Bis - plötzlich - wie ein Fingerzeig ( im Text dargestellt durch die lägere Zeile), die Situation sich dramatisch ändert und dem Schicksal die Maske von der Fratze ...ah die Larve von der Maske .... also die Fratze von der Larve reisst. Also das Schicksal dem Leben die Blösse zeigt resp des Lebens Blösse auf's Schicksal projeziert. Jedemfalls alles ganz in der Tradition Rosseggers und Stifters. ( Die beide vermutlich dem Genever zugesprochen haben.)


Das 4. Gedicht.

Bevor wir den Zyklus zu einem würdevollen Ende bringen, muss ich noch vorausschicken, dass dieses Heidegedicht dem genialen Meister aus Wiedensahl, der von Haus aus einen überproportionalen Stammplatz in meinem Herzen hat, gewidmet ist. Zeichner und Dichter...., das ist wie Brauer und Mälzer). Wilhelm Busch - der sich auch trefflich auf's Genever trinken verstand.
Das Heidegedicht hab ich als Heidelied ausgeführt, deshalb möchte ich euch diesmal bitten euch im Halbkreis aufzustellen, um der Darbietung etwas Chorales zu geben. Diesmal gibt's keine Schnapsgläser, sondern Rumbarasseln, das ureigene Instrument der Heide. Und Jürgen begleitet uns auf der Ukulele.
Das Lied besteht aus zwei Strophen, jeweils gefolgt vom Refrain.
Ich singe die Strophen, und der Chor (also ihr) singt den Refrain mit. Das Lied ist in C-Dur, der Einfachheit halber. Sollte jemand Lust haben auf der Mundharmonika zu begleiten, müsste es folglich die A-Dur-Harmonika sein.
Fertig? Ich bitte um eine konzertante Stimmung.

(Hmmm, hmmm...)

Die Heide, ein Lied von Reinhard Leopold Häpp

Wo die Grille singt und der Grashüpfer hüpft
wo der Mistkäfer stinkt und die Schlupfwespe schlüpft
Wo der Wacholderwipfel wogt im Wind.
( ...ein letzter Stabreim!)
Wo die Heidemaus aus ihrem Schlupflöchlein äugt
wo Haidjer und Haidjerin die kleinen Haidjer zeugt.
wo die Heidschnucken zuhause sind.

(Und jetzt alle! Der Refrain:)

Seht sie an, die Heide,
wenig Höhe, recht viel Breite.
wenig Gemsen, recht viel Schnucken
viel zu gross zum Drüberspucken.

(....und ausklingen lassen! Gut gemacht. Jetzt komme ich wieder:)

Wo des Morgens die Sonne im Osten aufgeht
wo sturmfest und erdverwachsen der Fachwerkhof steht
wo alle Kaffefahrten enden
wo die Imme der Erika Nektar trinkt
Wo des Abends die Sonne im Westen versinkt
wenn die Hünen sich in ihren Gräbern wenden

(Und wieder alle im Refrain:)

Seht sie an, die Heide.....

Danke, das war's.
Schön, dass wir diesen anspruchsvollen - und daher unserem geistigen Niveau entsprechenden - Gedichte- und Liederzyklus gemeinsam zu Ende bringen konnten. Ihr habt wirklich originelle, zauberhafte Stimmen. Auch dieses unerwartete Umschlagen von Dur in Moll passte gut zum düsteren Ernst, wie er oftmals über der Heide liegt.

©2002 by Reinhard Leopold Häpp


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